1, avenue de Robache
88100 Saint-Dié, Frankreich
Fabrik in Saint-Dié, 1946
Die Fabrik in Saint-Dié beruht auf den Zielsetzungen der Ville Radieuse und der Charta von Athen und ist der Prototyp einer „grünen Fabrik“, die moderne Arbeitsbedingungen ermöglicht.
Der Fabrikant Jean-Jacques Duval beauftragte Le Corbusier im Juli 1946, seine 1908 gegründete Trikotagenfabrik, die im November 1944 weitgehend zerstört worden war, wieder aufzubauen. Der Architekt nutzte diese Gelegenheit, um eine „grüne Fabrik“ zu realisieren, ein typologisches Standardkonzept, das er als Bestandteil seines theoretischen Projekts „Lineare Industriestadt“ (Cité linéaire industrielle) bereits zuvor entwickelt und veröffentlicht hatte. Er entwarf ein funktionelles, vollständig auf dem Modulor aufgebautes Gebäude, 20% günstiger erstellt als ein traditioneller Bau.
Das 80 Meter lange und rund 12,50 Meter breite Gebäude gleicht einer kleinen Unité d’habitation. Es umfasst drei Stockwerke mit Dachterrasse und ruht auf Stützen. Der Eingangsbereich mit den vertikalen Erschließungselementen befindet sich in einem an die Rückfassade angebauten Flügel und bildet auch den Zugang zu einem nicht zerstörten Fabrikteil.
Im Inneren ist das Gebäude funktional auf den Produktionsprozess ausgerichtet. Der Materialfluss ist von den Wegen des Personals getrennt und erfolgte ursprünglich mit Lastenaufzügen und Rutschen, die inzwischen beseitigt wurden. Die Räume der Direktion und der Verwaltung sowie ein Archiv und Besprechungszimmer legte Le Corbusier auf die Dachterrasse. Sowohl das Büro von Jean-Jacques Duval als auch andere Bereiche im Gebäude wurden mit Mobiliar ausgestattet, das von Jean Prouvé, Charlotte Perriand und Le Corbusier entworfen wurde.
In technischer und gestalterischer Hinsicht gelingt bei dem Gebäude die Verbindung eines Betonskeletts mit zwei fensterlosen Stirnwänden aus wiederverwendetem rötlichem Buntsandstein. Im Innern sind die Decken mit Rechtecken in leuchtenden Farben bemalt. Die dadurch entstehenden Material- und Farbkontraste zeigen die Verwandtschaft dieses Bauwerks mit Villen der 1930er Jahre, die bereits den Brutalismus der Nachkriegszeit ankündigten. Die großzügig verglasten Werkstätten sind durch Sonnenblenden (brise-soleil) aus Beton geschützt, die sowohl eine gestalterische als auch funktionelle Rolle spielen. Solche Elemente werden hier von Le Corbusier erstmals in Frankreich verwendet, nur wenige Monate vor den Sonnenblenden an der Unité d’habitation in Marseille.
Aufriss der Südwestfassade mit Maßangaben
Plan FLC 9482A
Aufriss der Südostfassade mit Maßangaben und Anmerkung
Plan FLC 9450A
Ansicht der Nordwestfassade, Glaselemente mit Nummern- und Typangaben
Plan FLC 9612
Grundriss 4. Geschoss mit Dachterrasse und Darstellung der Entwässerung, Treppen, Verkehrs- und Nutzflächen
Plan FLC 9461
Gebäudeschnitt durch Treppenhaus und Kanalisation
Plan FLC 9508
Foto: Lucien Hervé
FLC L3(6)-141
Foto: Lucien Hervé
FLC L3(6)62-82
Hauptfassade
Foto: Olivier Martin Gambier
Details der Fassade
Foto: Olivier Martin Gambier
Dachterrasse
Foto: Olivier Martin Gambier
Gebäudeeingang
Foto: Olivier Martin Gambier
Innenansicht
Foto: Olivier Martin Gambier
Innenansicht
Foto: Olivier Martin Gambier
Büroräume
Foto: Olivier Martin Gambier
Details Büroräume
Foto: Olivier Martin Gambier